10.Dezember 2021: Von smarten Taxifahrern und ‚Openminds‘

10.Dezember 2021: Von smarten Taxifahrern und ‚Openminds‘

9. Dezember 2021 1 Von Eva


Wir steigen in ein Taxi. Dekadent hier. Jörg hat das Auto und wir lassen uns fahren. Nur ein paar Kilometer. Die Strecke würde anders nicht gelingen. Muss aber sein, heute. Ich unterhalte mich mit unserem Fahrer, der im frankophonen, dann anglophonen Schulsystem in Ruanda aufgewachsen ist. Vor und nach dem Genozid war es französisch, erst seit 2006 auf dem Papier anglophon, überall seit jeher Kinyar. „Kinyar“ nennen manche Ruander liebevoll ihre Sprache und bringen mir ihr proper Kinyar bei. Ich übernehme das Wort Kinyar in mein Vokabular, weil es so vertraut und lieb klingt. Außerdem ist es einfacher als „Kinyaruanda“ (mit g in der Mitte ausgesprochen). Wir unterhalten uns auf Französisch, English und Kinyar. Wir verstehen uns, obwohl wir keinen Satz in der gleichen Sprache beginnen oder beenden. Als ich etwas über Traditionen und Identität ausdrücken will, fühle ich mich so schlecht, so „weiss“, so komisch privilegiert, so komisch ‚anders‘, dass ich mich unterbreche und sage:
„oh sorry, I feel so bad for my colour of skin and I feel some kind of historic guilt.“ Er beginnt mir in den folgenden Minuten, stark und klar seine,- und wie mir scheint, eine eher ruandische Lebensphilosophie aufzuzeigen.
Er ist viel eloquenter als ich. Und das in drei Sprachen. Spricht neben Kinyar, Französisch und English noch Kisuaheli und hat u. a. Finanzwesen in Kigali studiert. Und er sagt:

„Oh no, you know, the past is the past. The past is over. The past is only a lesson.
Lesson, gusa. Lesson only. You cannot blame somebody for her or his history. For his or her parents. Or for his and her colour of skin. (Ergänze ich).
The present is now. We live now. And we live for the future. The past is a lesson to learn from for Now. And the future.“

Ich lasse Rupi Kaur wieder zu Wort kommen:

You do not belong to the future or the past
you belong right here

rupi kaur | home body



Im Adventskalender versuche ich mich kurz zu halten. Der Text geht an sich noch weiter. Wenn du weiterlesen willst, klicke dich auf den Konfetti auf Asphalt Blog. Den haben eine gute Freundin und ich vor einigen Jahren begonnen und schreiben regelmäßig über die großen Fragen des Lebens und die kleinen Wunder des Alltags. Die uns, wie Konfetti auf Asphalt täglich vor die Füße fallen.