24. Dezember 2021: Weder Esel noch Ochse

24. Dezember 2021: Weder Esel noch Ochse

24. Dezember 2021 4 Von Eva

… dafür Hühner, Ziegen und eine laute Kuh in der Nachbarschaft.
In Stuttgart stand an unserer Krippe immer ein Schweinchen aus einer Klopapierrolle mit angeklebten Wackelaugen .
In Stuttgart hatten wir immer eine Maria of Colour mit einem auf den Rücken gebundenen Baby Jesus of Colour.

Weder Esel noch Ochse, aber Truthähne werden hier gerne unter dem Arm transportiert. Besonders Mittwochs ist viel Truthahn, Hühner-Verkehr auf den Gehwegen. Mittwoch ist der lokale Markttag – vielleicht hat es damit zu tun?!

Weder Ochse noch Esel, dafür viele Josefs in der Nachbarschaft und
eine sehr weiße Maria und einen sehr weißen Jesus habe ich entdeckt.

Auch der aktuelle Papst, Vater Franziskus, grüßte mich fast in Lebensgröße von einer Nachbarwand blickend.
Neben vielen Bildern und Ikonen eines sehr hellen Jesus, winkte er mir freundlich zu. Aus einem Zimmer ohne Elektrizität, dafür mit Sofas und Ihm an der Wand.

Doch nicht nur diese alten bekannten Heiligen umgeben uns. Auch ganz andere Alltagsheilige sind um uns. Einer davon wohnt sehr schlicht, sehr arm in einer kleinen Hütte, kümmert sich rührend um seine Söhne und viele andere. Er hat überall im Dorf Bekannte, während er nebenbei seine eigene Flüchltlings- und Verlustgeschichte bearbeitet. Er ist eine wahre Brückenperson für uns. Er ist uns – ja, schon fast, heilig. Er ist sehr besonders und so schlicht in seinem Konsum, so einfach in seinem Lebensstil und ganz warm und herzlich. Gute Kombination.

Dieses Jahr reihen wir uns hier ein. Mit Ottfried Preusslers Wachtmeister Dimpfelmoser, dem kleinen Eselein, das seine Mutter sucht, wir gehen mit vielen schicken Ruandern und Ruanderinnen Richtung Krippe…
Und dieses Jahr habe ich einiges abzuwerfen. Abzulegen. Abzugeben. An der Krippe. Loslassen. The Weight of the World zum Beispiel.
Loslasssen, in die Krippe werfen – auf das Kind. Ja, klingt hart. Ist es auch. Das Kreuz war es auch. Hart, diese heilige Gnade.
Diese Kraft aus Liebe. Harter Tobak, keine leichte Kost.
Ich werfe in die Krippe, die Sorgen meiner Nachbarn, die Sorgen um Josef und Familie, Mutoni und alle anderen Straßenkinder in unserem Dorf, ich werfe Angst und Ärger über Ungleichheiten, Hautfarben und unterschiedliche Gehälter, die Zukunftfragen ganzer Generationen um mich rum und in Deutschland in die Krippe. Den Unfrieden, die Intrigen und Lügen, die zerstören und Kindheit zu früh beenden. Ich trage alles zum Kind.
Sanft liegt es da und ich komme daher – werfend. Denn ich will und muss es nicht tragen, das Gewicht der Welt. Es liegt nicht in meiner Hand und nicht in meiner Sorge. Sondern der eines Größeren. Eines ganz Anderen.


Wie heißt er noch?
Er mit uns
Wunderrat
Baby Jesus (singen hier die ruandischen Kinder täglich….)
Friedensbringer
ewiger Vater
und der, der alles auf seinen Schultern trägt


alles alles alles

nochmal:

alles alles alles

hier und dort


Das ist mein Bild der Krippe, ganz frisch, von unserem kleinen Spaziergang heute früh mit den Kindern, durch unser minimal geschmücktes Dorf. Die Shops verkaufen neue Ware, Plastikspielzeug aus Kigali und China importiert, es gibt auch mal ein echtes Snickers (mal schauen, ob es auch „echt“ schmeckt…), es gibt Nagellack und bunte bunte Lichterketten, die wild leuchten, und sogar Böller habe ich entdeckt (und gleich eingekauft – von meinem Schwiegervater gelernt).

Ich werde federleicht in unseren heiligen Abend spazieren, mit Sandalen an den Füßen
Freiheit um die Nase, im T-Shirt um den Weihnachtsbaum – das Christkind begrüßen,
abgeben, ablegen und dieses einzigartige Leben feiern.



und du?