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13. Oktober 2022 0 Von Eva

Von vielen Besuchern und 700 000 Beobachtungen

304 000 Augenpaare, die einen angucken. Über das Jahr verteilt. Viele RuanderInnen beobachten gerne. Still und ohne große Mimik. Gesicht bleibt still. Der Mund auch. Keine Worte. Nur ausdrucksstarke, eher dunkelbraune oder schwarze Augen, die einen angucken. Und zwar lange. Wir können zurück gucken. Lange. Kein Problem. Man kann auch was sagen. Man kann grüßen. Aber oft werden wir angeguckt. Still und starr, manchmal wirklich angestarrt. Dieses unter Beobachtung sein macht uns manchmal müde und ärgerlich. Verunsichert. Ich möchte diese Spannung und Starre oft gerne schnell auflösen – nicht weiter schweben, drin hängen. Mehr und mehr empfinde ich es als eine Kunst in der Schwebe und Starre zu bleiben – diese Art von Anspannung und „Anstarrung“ als spielerisches Duell weiterzuspinnen. Nur um dann nach zwei bis drei Minuten einmal kurz und minimal die Augenbrauen anzuheben, einen konkreten Blickkontakt zu suchen, um dann mit meinem Tag weiterzumachen.

Und ganz oft fehlt mir die innere Dehnungskraft, diese neue stille Form der Kommunikation zu üben, dann radel‘ ich auf meinem Fahrradtaxi offenherzig unsere Tochter durch unser Dorf, schiebe die Sonnenbrille in die Haare, rufe „Mwiriwe – Amahoro“, und sause mit Peacefingern an den 17 anderen Fahrradtaximännern vorbei. Und ich merke, dass jetzt, nach einem Jahr Üben beiderseits, auch viele junge RuanderInnen sich auf meine eher „laute direkte und sehr herzliche“ Art der Kommunikation und Begrüßung einlassen.

Unsere Familien haben uns besucht. Deutsche Freunde und Vertraute haben uns besucht. Sogar unsere Projektkoordinatorin aus Deutschland war schon für einige Tage zu Besuch. ArbeitskollegInnen von Jörg waren zu Besuch. Andere Co-Worker waren zu Besuch. Ruandische Nachbarn und vor allem Nachbarskinder waren zu Besuch. Ruandische Freunde kommen gerne abends, wenn ich mit den Kindern gerade in der „heißen“ müden Phase bin und ehrlich nur möchte, dass ich den Kinder-Fokus beenden kann und noch einige Minuten Zeit für mich habe. Diese Zeit, rund um das deutsche Abendessen (18:30) ist für unsere ruandischen Kollegen eine ganz passende Besuchszeit, für mich nicht. Mit einem Freund hatte ich nun gute fünf Unterhaltungen, wie wir dieses interkulturelle Ding weiter entwickeln könnten. Ich hatte vorgeschlagen, dass er, wenn er vorhat, abends vorbei zu kommen, mir eine kurze SMS schreiben könnte. Oder aber anrufen. Doch es ging weiter mit Besuchen. Nach diesen vielen Besuchen meinte der besagte Freund, er würde schließlich PR (Public Relations) studieren und versuchen an seiner Kommunikation zu arbeiten. Seitdem schreibt er mir seinen Plan oder ruft auch mal an. Außerdem fahre ich öfters bei ihm vorbei, wenn es für mich gerade passt.

Halleluja. Yes, endlich.


Zum Meditieren:

Stille minimale Kommunikation üben. Aushalten.
Und: Peace – Amahoro!!